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Zur Aufnahmesituation
Das Haus der Bayerischen Geschichte führt seit 1986 Zeitzeugenbefragungen durch. Die mit Videokamera
aufgezeichneten Interviews werden im Bildarchiv des Hauses aufbewahrt; sie bilden wertvolles Quellenmaterial
zur bayerischen Zeitgeschichte.
In der Form orientiert sich die Aufnahmesituation an
der in den USA entwickelten Interviewtechnik im Bereich der Oral History. Das Oral-History-Interview
ist ein nach außen spontaner Diskurs mit unstrukturierten Frageformen, um die freie Assoziation des Erzählers
zu ermöglichen. Es wird in Abwesenheit Dritter in einer dem Erzähler vertrauten Umgebung, meist
in dessen eigenem Zuhause, geführt. Bei den Aufnahmen wird versucht, die persönliche Atmosphäre des
Protagonisten visuell im Hintergrund einzubeziehen. Die Aufzeichnungen sind lebensgeschichtlich konzipiert,
orientieren sich aber inhaltlich an historischen Ereignissen und bestimmten Schwerpunkten.
Die Befragungstechnik ist gekennzeichnet durch größtmögliche Zurückhaltung auf seiten des Interviewers.
Dieser tritt lediglich als Stichpunktgeber auf, der den assoziativen Gedankenfluß des Interviewpartners
nur dann unterbricht, wenn dieser zu weit vom Thema abweicht. Das Oral-History-Interview zählt
zur "weichen" oder permissiven Form des Interviews. Es ist darauf abgestellt, den Erzählfluß möglichst ungesteuert
ablaufen zu lassen, Fragen werden daher weniger systematisch vorgebracht als im journalistischen
bzw. sozialwissenschaftlichen Interview. Das Ziel ist, den gesamten Lebenslauf des Protagonisten darzustellen,
auch im Hinblick auf weitere Verwertungsmöglichkeiten für Ausstellungen oder Dokumentationen.
Ganz wesentlich bei der Durchführung des Interviews ist, daß zwischen dem Interviewer und dem Interviewten
eine persönliche Beziehung aufgebaut wird, die die Grundlage für ein offenes Gespräch ist. Dies wird
durch intensive Vorgespräche erreicht, in denen die inhaltlichen Erwartungen des Hauses der Bayerischen
Geschichte mit der Aussagebereitschaft des Interviewpartners koordiniert werden.
Die technischen Mittel für die Videoaufzeichnungen entsprechen heutigem Fernsehstandard. Damit ist gewährleistet,
daß Ausschnitte aus den Zeitzeugenaufnahmen auch Fernsehanstalten zur Verfügung gestellt
werden können. Voraussetzung dafür ist allerdings die Zustimmung des Hauses der Bayerischen Geschichte.
Die Verwertungsmöglichkeiten der Zeitzeugenaufnahmen leiten sich aus dem sehr restriktiven deutschen
Persönlichkeitsrecht des Interviewten ab, das ebenso wie das Copyright zu beachten ist.
Die Zeitzeugen-Porträts werden von der Firma Chronik-Videoproduktion / Georg Schmidbauer M.A.,
München im Auftrag des Hauses der Bayerischen Geschichte angefertigt.
Zeitzeugen-Porträts zum Thema "KZ-Dachau" (Stand: Dezember 1998)
Ferdinand Berger:
Ferdinand Berger wurde 1917 in Graz geboren, schloß
sich der Sozialistischen Partei an und fuhr 1937 nach Spanien, um auf der Seite der Internationalen Brigaden
am Bürgerkrieg teilzunehmen. Später wurde er vom französischen Militär zum Arbeitseinsatz an der französisch-
belgischen Grenze eingezogen, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Mai 1940 wurde
er von der Geheimen Feldpolizei interniert. Kurz darauf erfolgte der Arbeitseinsatz an der französischen
Westküste, bis die Gestapo Berger wegen seines Spanieneinsatzes nach Österreich brachte und von dort
nach Verhören im Januar 1941 in das KZ Dachau deportierte. Als Blockschreiber hatte Berger eine relativ
privilegierte Stellung im KZ, die er dazu nutzte, Ausschreitungen gegenüber russischen Häftlingen zu
unterbinden. Im Sommer 1944 wurde er in das KZ Flossenbürg überstellt, wo Berger die Befreiung erlebte.
Tadeusz Biernacki
Tadeusz Biernacki, geboren 1923, engagierte sich in
Polen in der Pfadfinderorganisation, als er im Jahr 1940 als 17jähriger verhaftet und in verschiedene Arbeitslager
nach Deutschland kam. 1943 brachte ihn die Gestapo in das KZ Dachau. Er mußte in der Rüstungsfirma
Messerschmitt in Kottern bei Kempten Zwangsarbeit leisten. Mit viel Glück überlebte Biernacki die
Fliegerangriffe, konnte am Ende des Krieges vom Todesmarsch fliehen und arbeitete im DP-Lager in
Kempten, bevor er wieder in seine Heimat zurückkehrte.
Dr. Heinz Feldheim
Heinz Feldheim, 1908 in Dortmund geboren, kam
1927 nach München und erlebte hier als Student die
Machtergreifung der Nationalsozialisten. Wegen einer Flugblattaktion wurde Feldheim 1933 verhaftet und in
das KZ Dachau gebracht. Trotz eines Freispruchs im Hochverratsprozeß 1938 wurde er erneut in Dachau
inhaftiert und konnte erst im Mai 1939 nach England emigrieren. Dort meldete er sich zur englischen Armee,
beendete seine Ausbildung als Lehrer und kehrte in den 50er Jahren nach Deutschland zurück.
Hans Gasparitsch
Hans Gasparitsch, geboren 1918, war geprägt von der
Arbeiter-Jugendbewegung und deren vielfältigen kulturellen und sportlichen Aktivitäten, als die Nazis 1933
die Macht auch in Stuttgart übernahmen. Durch die sofort einsetzenden politischen Kampagnen der Nationalsozialisten
wurde die Jugendgruppe immer mehr in die Illegalität getrieben. Nach einer Malaktion wurde
Gasparitsch 1935 verhaftet, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und anschließend in das KZ Dachau
eingeliefert. Von September 1939 bis Mai 1940 war er im KZ Flossenbürg, kam dann wieder in das KZ
Dachau zurück und erlebte somit sowohl das "alte" wie auch das "neue" KZ-Lager. Nach einer Denunziation
wurde Gasparitsch in das KZ Buchenwald deportiert. Er erlebte dort die Befreiung am 11. April
1945.
Christo Georgiew
Christo Georgiew wurde 1916 in Bulgarien geboren.
Er studierte an der Technischen Hochschule in Brünn. Nachdem die Hochschule 1939 geschlossen wurde,
ging er an die Technische Hochschule in Bratislava. Georgiew engagierte sich in einer linken Studentenbewegung,
wurde im Dezember 1944 verhaftet, im Schnellverfahren verurteilt und in das KZ Dachau
deportiert. Er mußte im Strafkommando Bautrupp arbeiten, wurde gegen Kriegsende nach Buchenwald
überstellt, wurde "evakuiert" und konnte der Liquidation durch Flucht in Prag entkommen. (Das Interview
wurde auf Bulgarisch geführt.)
Sylvester Kukula
Sylvester Kukula wurde am 17. Dezember 1922 in
Ostrow bei Poznan geboren. Im Mai 1940 wurde er in das KZ Dachau deportiert, dort medizinischen Experimenten
des Prof. Schilling unterzogen. Im März 1943 kam er auf die von Deutschen besetzte Kanalinsel
Alderney. Nach der Invasion wurde Kukula über Dresden nach Steyr gebracht und erlebte dort am 5.
Mai 1945 die Befreiung.
Hans Landauer
Hans Landauer, Jahrgang 1921, entstammt einer Arbeiterfamilie
aus Oberwaltersdorf. Beide Großväter
waren sozialdemokratische Bürgermeister, Landauer selbst war seit Februar 1934 in den Nachfolgeorganisationen
der sozialdemokratischen Jugendbewegung (Rote Falken, Sozialistische Arbeiterjugend) tätig.
Aufgrund einer List gelangte er trotz seiner Jugend am 19. Juni 1937 unter dem Mädchennamen seiner Mutter
– Operschall – nach Spanien zu den Internationalen Brigaden. Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges
folgten Internierung in Frankreich und die Rückkehr nach Österreich, wo er an seinem 20. Geburtstag
wegen Verdachts des Hochverrats verhaftet und in das KZ Dachau eingeliefert wurde. Nach der Befreiung
1945 war er in der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Niederösterreich tätig, nach 1948 in der Polizeidirektion
in Wien.
Nikolaus Lehner
Nikolaus Lehner wurde 1923 in Szeget (Rumänien)
geboren, ging 1940 nach Budapest und arbeitete dort als Lehrling in einem feinmechanischen Betrieb. Er
erlebte das nationalistische Horthy-Regime, bis 1944 die deutsche Wehrmacht einmarschierte. Lehner, der
zum ungarischen Arbeitsdienst eingezogen worden war, wurde im Dezember 1944 in das KZ Dachau
deportiert und erlebte die Befreiung des Lagers. Nach vergeblichen Auswanderungsversuchen siedelte sich
Lehner in Dachau an, wo er bis heute als Geschäftsmann tätig ist.
Albert Lörcher
Albert Lörcher wuchs im München der 20er Jahre auf
und engagierte sich schon früh in der Arbeiterbewegung. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten
ging er in die Illegalität, wurde 1933 verhaftet und in das KZ Dachau deportiert. Nach seiner
Entlassung 1935 bekam er nach mehrmaligen Verhaftungen seine Einberufung in die "Bewährungseinheit
999", erlebte in Afrika die Kapitulation der Wehrmacht und geriet in englische Kriegsgefangenschaft.
Nach seiner Rückkehr 1945 war er zunächst in München mit Fragen der Entnazifizierung beschäftigt,
gründete dann eine Buchhandlung und war bis zu seiner Pensionierung als Vertreter des gewerkschaftseigenen
Bund-Verlages tätig.
Max Mannheimer
Mannheimer wurde am 6. Februar 1920 geboren und
verbrachte seine Jugend in Mähren. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht gemäß des Münchner
Abkommens begann die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Mannheimer wurde zusammen
mit seiner Familie Anfang 1943 über das KZ Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, überlebte
dort verschiedene Selektionen und lernte das Vernichtungslager
in verschiedenen Kommandos kennen. Im Oktober 1943 gelang es ihm, sich zu Aufräumungsarbeiten
in das Warschauer Ghetto zu melden. Er überlebte den Todesmarsch im Juli 1944 und wurde in das
KZ Dachau verbracht. Dort arbeitete er Anfang 1945 im Außenlager Mühldorf und erlebte bei einer weiteren
Deportation am 30. April 1945 die Befreiung.
J. V. Mesdag
J. V. Mesdag wurde 1933 in der Schweiz geboren,
verlebte aber seine Jugendzeit in Hilversum, Holland. Nach dem deutschen Überfall 1940 ging er in den
Widerstand und versuchte am 31. August 1942 mit einem Faltboot nach England zu flüchten. Nachdem
die Flucht gescheitert war, kam er als NN-(" Nacht-und-Nebel-") Häftling in verschiedene Konzentrationslager
in Holland, dann in das KZ Natzweiler im Elsaß. Am 19. September 1944 wurde Mesdag nach
Dachau verlegt, wo er die Befreiung erlebte.
Josef Mörtl
Josef Mörtl, am 6. Oktober 1915 in Weiden geboren,
kommt aus einer sozialdemokratisch orientierten Familie, erlebte Ende der 20er Jahren die Massenarbeitslosigkeit
und engagierte sich in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ). Nach der Machtergreifung der
Nationalsozialisten brachte er zusammen mit seinem Bruder illegal sozialdemokratische Zeitungen aus der
Tschechoslowakei nach Bayern. Im Mai 1934 wurden Mörtl sowie sein Bruder und sein Vater verhaftet und
vom Oberlandesgericht in München wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Zuchthaus verurteilt.
Nach seiner Entlassung im Februar 1937 wurde Mörtl in das KZ Dachau eingeliefert, war dort als "Lagerläufer"
eingesetzt und erlebte 1939 den Aufbau des "neuen Lagers", wie es in seiner Grundform als Gedenkstätte
heute noch zu sehen ist. Im April 1941 wurde er entlassen. Bis zum April 1943 konnte er im mütterlichen
Betrieb in Weiden arbeiten, dann erfolgte die Einberufung in die "Bewährungseinheit 999". Diese
Strafkompanie wurde in Rußland und Griechenland eingesetzt. Mörtl gelang es dort, zu den Partisanen zu
desertieren. Das Kriegsende erlebte er in Wien. Nach dem Krieg arbeitete er von 1946 bis zu seiner Pensionierung
bei der Polizei in Weiden.
Zygmunt Razniewski
Zygmunt Razniewski, geboren 1922, besuchte das
Gymnasium in Lodz und wurde 1940 in das KZ Dachau deportiert. Er arbeitete dort unter anderem im
Kommando "Präzifix", in dem Präzisionsteile für die Luftwaffe hergestellt wurden. Razniewski erlebte die
Veränderungen des Lagers während des Krieges sowie die Befreiung am 29. April 1945.
G. W. Reijntjes
G. W. Reijntjes verbrachte seine Jugendzeit in Amsterdam
und erlebte als Soldat den Überfall der deutschen Truppen am 10. Mai 1940. Da sein Fluchtversuch mit
einem Boot nach England scheiterte wurde er vom S. D. zuerst in Holland interniert, kam dann in das
elsässische KZ Natzweiler und gegen Ende des Krieges in das KZ Dachau. Dort war er in Außenkommandos
bei der Düsenjägermontage eingesetzt und erlebte als NN-(" Nacht-und Nebel"-) Häftling die letzte Zeit des
von Epidemien heimgesuchten KZ und schließlich die Befreiung.
Prof. Joseph Rovan
Joseph Rovan ist 1918 in München geboren. Er emigrierte
1933 mit seinem Vater nach Paris. Er war bis 1944 in der Résistance aktiv und wurde nach seiner
Verhaftung in das KZ Dachau eingeliefert. Als Intellektueller konnte er eine gehobene Position in der
Lagerkartei erlangen und machte die für seinen späteren Lebenslauf entscheidende Bekanntschaft mit Edmond
Michelet, der ihn später als politischer Berater in die französische Regierung holte. Rovan war von
1968 bis 1986 Professor für deutsche Geschichte und Politik an der Sorbonne und ist Präsident der Gesellschaft
für deutsch-französische Zusammenarbeit.
Friedrich Schafranek
Friedrich Schafranek wurde 1924 in Wien geboren,
kam aber schon 1928 nach Frankfurt/ Main. Nach der "Reichskristallnacht" versuchte er mit seinem Bruder
auszuwandern, was durch den Kriegsausbruch vereitelt wurde. Schafranek konnte zwar 1941 in Berlin noch
sein Abitur ablegen, wurde aber bereits kurz darauf, im Oktober 1941, mit seiner ganzen Familie in das Ghetto
Litzmannstadt deportiert. Dort starben sein Vater und sein Bruder. Im August 1944 erfolgte die Deportation
nach Auschwitz, wo die Mutter vergast wurde. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch auf dem Transport
in das Lager Kaufering wurde Friedrich Schafranek als Melder eingesetzt. Er erkrankte und konnte während
der Räumung des Lagers Ende April 1945 fliehen und so wieder die Freiheit erlangen. Nach dem Krieg fand
er zur evangelisch-lutherischen Kirche, arbeitete als Pfarrer in Australien und kehrte wieder nach Deutschland
zurück. Von den 1195 Deportierten aus dem ersten Transport aus Frankfurt nach Litzmannstadt ist
er heute der einzige Überlebende.
Hermann Scheipers
Hermann Scheipers betreute in den 30er Jahren als
Kaplan eine Diaspora-Gemeinde in Hubertusburg in Sachsen. Wegen Abhaltung eines Gottesdienstes für
polnische Zwangsarbeiter wurde er inhaftiert und 1941
in das KZ Dachau eingeliefert. Scheipers wurde in der SS-Heilkräuterplantage eingesetzt, von der er in Zusammenarbeit
mit seiner Schwester vergeblich seine Flucht plante. Durch eine mutige Rettungsaktion seiner
Schwester im Reichssicherheitshauptamt konnte seine Liquidierung verhindert werden. Die Befreiung
erlebte Scheipers auf dem Todesmarsch, wo seine Flucht schließlich gelang.
Willy Sel
Willy Sel, 1921 in Mechelen in Belgien geboren,
beteiligte sich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1940 in der königlichen Widerstandsgruppe.
1941 wurde er vom S. D. verhaftet, von der Gestapo verhört und gefoltert, in die Gefängnisse nach Lübeck
und Essen gebracht und schließlich vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen Hochverrat verurteilt. Als
KZ-Häftling kam er 1943 nach Sachsenhausen und Natzweiler-Struthof und im September 1944 nach
Dachau. Es gelang ihm, unter falscher Identität im Außenlager Allach zu arbeiten. Er entkam nur knapp
dem Tod.
Stane Sinkovec
Stane Sinkovec wurde 1927 in Kranj, Slowenien, geboren.
Nach dem Kriegsbeginn in Jugoslawien 1941 schloß er sich der slowenischen Befreiungsfront an,
wurde aber 1942 von der Gestapo festgenommen und in das KZ Dachau überstellt. Dort mußte Sinkovec sich
den medizinischen Versuchen des Dr. Schilling unterziehen und bekam Malaria sowie andere Krankheiten.
Nach er Befreiung 1945 kehrte er nach Slowenien zurück und absolvierte ein Studium an der Technischen
Fakultät in Ljubljana.
Jerzy Skrzypzek
Jerzy Skrzypzek wurde 1920 in Warschau geboren und
wollte Opernsänger werden. Nach einer schweren Lungenentzündung war diese Laufbahn versperrt und
er begann eine Ausbildung im Bereich Ökonomie. Nach dem Überfall der deutschen Truppen 1939 ging
Jerzy in eine Untergrundbewegung, wurde im September 1940 verhaftet und wenig später nach Auschwitz
deportiert. Im Stammlager Auschwitz I wurde er zu verschiedenen Arbeitskommandos eingeteilt. Er
versuchte, einer schwangeren Frau mit Verbandsmaterial zu helfen; aufgrund dieser "illegalen" Hilfe wurde
er in die Strafkompanie (SK) versetzt. Anfang 1943 kam Jerzy mit tausend anderen Häftlingen in das KZ
Flossenbürg. Nach seiner Überführung in das KZ Dachau machte Jerzy die Bekanntschaft mit dem berüchtigten
SS-Arzt Rascher, der an ihm medizinische Versuche vornahm. Mit viel Glück gelang es Jerzy, sich
zur Rüstungsproduktion bei der Firma Messerschmitt
in Augsburg überstellen zu lassen. Er überstand dort die zahlreichen Bombardierungen gegen Ende des Krieges
und erlebte schließlich die Befreiung in Dachau.
Ludwig Stark
Ludwig Stark wurde 1911 in München geboren und
erlebte die 20er Jahre in der sozialistischen Jugendbewegung. Unter dem Eindruck der steigenden Arbeitslosigkeit
Anfang der 30er Jahre engagierte er sich in der Kommunistischen Jugend und ging nach der
Machtergreifung der Nationalsozialisten sofort in die Illegalität. Zusammen mit Kameraden druckte er die
illegale Neue Zeitung, wurde im August 1933 verhaftet und in das KZ Dachau deportiert. Nach seiner Freilassung
im Juni 1936 arbeitete Stark als Maurer in München, meldete sich nach Kriegsausbruch zur Wehrmacht
und wurde schwer verwundet. Es gelang ihm, in ein Lazarett nach München zu kommen und im
Umfeld der Widerstandsgruppe des Aufbau-Kreises mitzuarbeiten. Nach kurzer Zeit wurde er jedoch
verraten und in einem Verfahren vor dem Volksgerichtshof in Berlin unter dem Präsidenten Roland
Freisler im Juli 1944 zu Gefängnis verurteilt. Stark wurde daraufhin in das KZ Mauthausen deportiert.
Von dort konnte er sich in ein Außenlager nach Wien melden, überlebte den Todesmarsch und kehrte wieder
in seine Heimatstadt zurück. Nach dem Krieg war Stark in der städtischen Verwaltung tätig.
Albert Theis
Der Luxemburger Albert Theis war vor dem Zweiten
Weltkrieg Mitglied der Luxemburger Freiwilligenkompanie und mußte nach der deutschen Besetzung
in der Wehrmacht dienen. Im März 1942 weigerte sich Theis, den Eid auf den Führer abzulegen. Daraufhin
wurde er in das KZ Dachau eingeliefert, wo er bis Kriegsende inhaftiert war und in verschiedenen Kommandos
arbeiten mußte. Nach dem Krieg tat er wieder Dienst in der luxemburgischen Armee und ist heute
Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees.
Karl Weller
Karl Weller wuchs in den 20er Jahren in Aschaffenburg
auf, stand der Arbeiterbewegung nahe und wurde 1933 in das KZ Dachau eingeliefert. Dort erlebte er die
Hinrichtungen nach dem sogenannten Röhmputsch. Als ihm nach seiner Freilassung 1935 eine weitere
Haftzeit drohte, entschloß er sich, nach Spanien zu fliehen, um bei den Internationalen Brigaden zu kämpfen.
Er wurde von Franco-Truppen gefangen genommen und nach längerer Haft den Deutschen überstellt.
1942 wurde er zum zweiten Mal in das KZ Dachau eingeliefert. Die Befreiung erlebte er auf dem Todesmarsch
in der Nähe von Wolfratshausen.