Vom Krematoriumsbereich geht man in das ehemalige Schutzhaftlager zurück und begibt sich geradeaus zur Todesangst-Christi-Kapelle. Die katholische Todesangst-Christi-Kapelle entstand auf Initiative des Münchner Weihbischofs Johannes Neuhäusler, der als ehemaliger Dachau-Häftling unermüdlich in der Öffentlichkeit für den Bau geworben hatte. Die Andachtsstätte wurde anläßlich des Eucharistischen Weltkongresses am 5. August 1960 eingeweiht. Den Namen der Kapelle "Von der Todesangst Christi" bestimmte Kardinal Joseph Wendel, wie Neuhäusler schreibt, als "Hinweis auf die Todesangst, unter der in diesem Lager Zehntausende von Insassen jahrelang Tag und Nacht gelitten hatten". (In den zwölf Jahren seines Bestehens gingen nach den Ermittlungen des Internationalen Suchdienstes 206 206 Häftlinge durch das KZ Dachau.)
Den monumentalen, turmartigen Rundbau, der vorne offen ist, entwarf der Münchner Professor Josef Wiedemann. Das Bauwerk besteht aus unbehauenen Kieselsteinen, die innen und außen um eine Stahlbetonwand errichtet wurden. Das Geröll entnahm man dem Isarbett bei Lenggries. Bundeswehrsoldaten brachten die Steine auf Fahrzeugen der Fliegerschulen A in Landsberg am Lech und B in Fürstenfeldbruck nach Dachau. Über dem Eingang zur Sühnekapelle, die 13,60 Meter hoch ist und die einen Durchmesser von 14,20 Metern hat, befindet sich eine 550 Kilogramm schwere Dornenkrone aus Kupfer. Vor der Kapelle ist auf einem acht Meter hohen Gerüst eine 3000 Kilogramm schwere Glocke befestigt, die ehemalige Häftlinge aus Österreich und die österreichische Bundesregierung stifteten. Sie wurde auf Anregung des Innsbrucker Schlossermeisters Emmerich Hornich, der selbst im KZ Dachau inhaftiert war, von der Firma Graßmayr in Innsbruck gegossen. Die Glocke, die am 22. Juli 1961 vom Abt von Schlierbach, Berthold Niedermoser, geweiht wurde, trägt die Inschrift: "In treuem Gedenken den toten Kameraden aller Nationen gewidmet von Dachau-Priestern und -Laien aus Österreich." Sie läutet jeden Abend zum Gebet für die Opfer des Konzentrationslagers. An der Rückseite der Kapelle ist eine Gedenktafel aus Erz mit einem Christusbildnis angebracht, die ehemals inhaftierte Geistliche stifteten. Kardinal Döpfner enthüllte sie am 19. August 1972. Die Tafel berichtet in polnischer, deutscher, französischer und englischer Sprache von den Leiden polnischer Häftlinge in Dachau.
Links neben der Todesangst-Christi-Kapelle steht die evangelische Versöhnungskirche. Die evangelische Versöhnungskirche schuf der Mannheimer Architekt Helmut Striffler. "Sie ist", schreibt er über den Bau, "als eine lebendige Spur in die unbarmherzige Fläche des Lagers eingegraben, als eine bergende Furche gegen das unmenschliche Ausgesetztsein, das man auch heute immer wieder spürt, wenn man durch das Lager geht." Die Kirche wurde am 30. April 1967 eingeweiht. Die Predigt hielt damals Pastor Martin Niemöller, der, wie bereits erwähnt, auch Häftling in Dachau war.
Rechts neben der Todesangst-Christi-Kapelle liegt die jüdische Gedenkstätte. Die jüdische Gedenkstätte wurde am 7. Mai 1967 eingeweiht. Den Bau auf parabolischem Grundriß, der neun Meter hoch, zehn Meter breit und 15 Meter lang ist, entwarf der Frankfurter Architekt Hermann Zwi Guttmann. Die Außen- und Innenwände des Gebäudes bestehen aus Basaltlava. Das Bauwerk wird von der Menorah, dem siebenarmigen Leuchter, überragt, den ein Pfeiler aus israelischem Marmor trägt. Dieser stammt aus dem Ort Pikiin in Israel, wo der Legende nach immer, auch in schwersten Zeiten, mindestens ein Jude lebte. Der Stein soll die Kontinuität des Judentums symbolisieren. Mit dem Bau, der rund zwei Meter tief in die Erde reicht, wollte Guttmann ausdrücken, daß die Juden während ihrer Verfolgung gezwungen waren, ihr Leben in Verstecken, in Bunkern oder im Untergrund zu fristen. Der Zugang zur Gedenkstätte führt über eine 18 Meter lange Rampe, die ein Symbol für die Rampen ist, auf denen der Weg in die Gaskammern begann. Im Innern entzündeten Rabbiner das Ner Tamid, das Ewige Licht.
Hinter der Todesangst-Christi-Kapelle erstreckt sich das Sühnekloster. Das Sühnekloster "Karmel Heilig-Blut - Dachau" zählt zu den jüngsten Klöstern in der Bundesrepublik. Den Anstoß zu seiner Gründung gab die Priorin des Karmels St. Josef in Beuel-Pützchen bei Bonn, Maria-Theresia von der gekreuzigten Liebe (1911 bis 1970), die mit ihrem weltlichen Namen Berta Vorbach hieß. "Am 1. 1. 1961", schrieb sie am 2. Januar 1962 in einem Brief an Kardinal Döpfner, "überkam mich der Gedanke, der mich seitdem nicht mehr verlassen hat, daß in das ehemalige Konzentrationslager Dachau ein Karmel (ein Karmel vom Kostbaren Blut) hingehört." Berta Vorbach war von dieser Idee so durchdrungen, daß sie sich bereits am 22. Januar 1962 wieder an den Kardinal wandte und ihre Vorstellungen in dem zweiten Schreiben noch genauer umriß: "Dachau wird in der ganzen Welt als Inbegriff der Konzentrationslager angesehen. Sein Name wird immer mit den furchtbarsten Greueln der Menschheit verbunden bleiben. Ein Ort, wo so gefrevelt wurde, wo so viele Menschen Unsagbares gelitten haben, dürfe nicht zu einer neutralen Gedenkstätte oder gar einem Besichtigungsort erniedrigt werden. Es sollte stellvertretende Sühne geleistet werden durch das Opfer unseres Herrn Jesus Christus und verbunden damit durch das Opfer und die Sühne von Menschen, die sich diesem leidenden und sühnenden Herrn in Liebe und Gehorsam anschließen. Der Orden des Karmels ist in besonderer Weise zu opferndem und sühnendem Gebet berufen."
Am 1. August 1962 stimmte Kardinal Döpfner der Gründung eines Klosters zu und legte die Leitung des Vorhabens in die Hände des Weihbischofs Neuhäusler. Dieser gewann für den Bau der Klosteranlage Josef Wiedemann, der bereits die Todesangst-Christi-Kapelle geplant hatte. Der Architekt gab den ebenerdigen Bauten, die das Kloster bilden, die Form des Kreuzes. Nach der Ordensregel der Karmelitinnen, die für jeden Karmel nur 21 Schwestern bestimmt, entwarf er 21 einzelne Zellen. Diese kleinen Häuser, die an die erdgeschossigen Baracken des ehemaligen Konzentrationslagers erinnern sollen, sind alle nach Süden, zum Lager hin, ausgerichtet.
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